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Rechtspopulisten betreiben Islamic Banking Forschung

… oder: Lob von der falschen Seite wäre fatal… (Gustav Stresemann)

Islamic Finance ist ein Markt mit weltweit durchschnittlich 20% jährlichem Wachstum. Während die Hans-Böckler Stiftung sich mit Altersarmut und die Konrad Adenauer Stiftung mit der Energiewende beschäftigt, wurde  die Gustav Stresemann Stiftung, im Bereich Islamic Banking tätig. Die Stiftung steht deutlich im rechtspopulistischen Umfeld, was später noch genauer beleuchtet werden soll.

Das Diskussionspapier

Das im Juli 2012 veröffentlichte Diskussionspapier „Intrinsische Hindernisse des Islamischen Finanzwesens“ von Rebecca Schönenbach im Auftrag der Stresemann Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass Islamic Finance in Deutschland bisher erfolglos geblieben sei.

Auf der einen Seite seien Muslime in Deutschland nicht gebildet genug und somit oftmals arbeitslos, zum anderen sind die Scharia-Gelehrten durch mangelnde Wirtschaftskenntnisse und sich gegenseitig widersprüchlichen Rechtsgutachten schuld, so die Thesen der Autorin.

Untermauert werden diese Thesen durch Beispiele von Fonds, die nach islamischen Prinzipien aufgelegt wurden und inzwischen wieder eingestellt wurden, oder zumindest in Deutschland nicht mehr vertrieben werden.
Anbieter von islamischen Finanzprodukten wurden im Rahmen der Studie nicht befragt. Die Studie geht ausführlich darauf ein, dass die Nachfrage gering ist, versäumt aber, darauf hinzuweisen, dass der Markt auch auf Anbieterseite bisher sehr klein ist und eine effektive Bearbeitung des Marktes bisher noch nicht erfolgt ist. Man sollte unterscheiden, ob es am Markt keine Nachfrage oder keinen Bedarf gibt. Wenn es keine Nachfrage gibt, so kann dies unter anderem daran liegen, dass Kunden die Produkte wollen würden, wenn sie davon wüssten.

Hierzu wird im Papier eine Untersuchung zitiert, die ergeben hat, dass Türkischstämmige Ihr Geld zum überwiegenden Teil in Immobilien in der Türkei anlegen, an zweiter Stelle rangiert die Immobilieninvestition in Deutschland. Bei Jüngeren ist die türkische Immobilie nicht mehr so beliebt wie bei den Älteren. Hier könnte man (entgegen der Autorin der Studie) argumentieren, dass dies ein Zeichen für einen Zukunftsmarkt ist.

Die These, dass geringes Einkommen Muslime davon abhält zu investieren kann entgegnet werden, dass gerade Einkommensschwache für das Alter vorsorgen müssen.

Islamic Banking steht in Deutschland, wenn überhaupt, in den Kinderschuhen.

Durch die geplante Beantragung einer Vollbanklizenz für eine erste islamische Bank in Deutschland durch die Kuveyt Türk Beteiligungsbank in Mannheim hat es die Studie zu Erwähnungen in den Online Ablegern von Financial Times Deutschland, dem Manager-Magazin, Bild, und anderer bekannter Publikationen gebracht.

Die Gustav Stresemann Stiftung e.V.

Auch eine Reihe von Blogs aus dem rechtspopulistischen Spektrum, die an dieser Stelle weder erwähnt noch verlinkt werden sollen, erfreuen sich (natürlich) an den Ergebnissen und „berichten“ davon.

Die Gustav Stresemann Stiftung versteht sich laut eigener Aussage auf der Website als „Lobby für die Freiheit“ und vertritt „bürgerlich-liberale Ideale“. Das Team besteht (laut eigener Website) aus drei Personen:

Philipp Wolfgang Beyer, Rechtsanwalt und stellvertretender Bundesvorsitzende der Partei DIE FREIHEIT als Vorsitzender

Sascha Giller, Rechtsanwalt als stellvertretenden Vorsitzenden. Gehört dem Landesvorstand der Partei in Thüringen an.

Felix Strüning, Journalist und Betreiber von Citizen Times, ehemals in der Partei DIE FREIHEIT aktiv.

Hier gibt es eine übersichtliche Darstellung zum Umfeldes der Stresemann Stiftung. Auf Ihrer eigenen Homepage wird unter Sponsoren, neben der Anwaltskanzlei des Vorsitzenden, Herrn Beyer der US- „Think Tank“ Middle East Forum genannt, welches vom rechtskonservativen Daniel Pipes gegründet und geleitet wird. Dieser hat u.a. laut dem niederländischen NBC Handelsblad Fundraising für Geert Wilders in den USA betrieben und eine sehr kritische Haltung zum Islam.

Ein anderes Diskussionspapiere des Institus beschäftigt sich z.B. mit den Thema „Kampfbegriff Islamophobie“.

Es kann also vermutet werden, dass die Studie vor dem Hintergrund der (rechtspopulistischen) Agenda der Streemann Stiftung angefertigt worden ist.

Während die Studie dieser Stiftung in den Medien breite Aufmerksamkeit bekommt, werden andere Zahlen zum Marktpotential in Deutschland (wie z.B. vom Frankfurter Institute of Islamic Banking and Finance) in den Medien nicht erwähnt.

Es ist beinahe schon fahrlässig, dass keiner der Journalisten es für nötig hielt, die Initiatoren der Studie genauer zu prüfen oder auf das Umfeld hinzuweisen. Von Journalisten großer Zeitungen sollte man ein Mindestmaß an Recherche erwarten können. Ein Hinweis auf die Stiftung hätte geholfen, die Studie in den richtigen Kontext zu setzen.

 

von: Ajaz Shah

 

 

 

 

  • darko g sagt:

    Das ist sehr Wahr das die zweite oder dritte Generation der Gastarbeiter keinen sinn in einer Investition in dem Heimatland ihrer Eltern sehen. Niemand Investiert in etwas was er nicht mehr nutzen kann, immer weniger Zeit hat man um dort Urlaub zu verbringen. Auf http://bankblank.de/ habe ich ein Paar links gefunden die mich auch wie dieses Thema zum nachdenken zwingt „wie geht es weiter“?

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