Islamic Banking Blog

Islamic Banking Blog – Alles rund um Islamische Banken - Islamic Banking Blog – Alles rund um Islamische Banken

Verbot von Spekulation im Islam: Gharar

Allgemeines zum Verbot von Spekulation bzw. Unsicherheit

Das Verbot von übermäßiger Spekulation (Gharar) ist neben dem Zinsverbot und dem Verbot von Glückspiel (Maysir) eine weitere wichtige Säule des Islamic Bankings. Der Begriff Gharar bedeutet Unsicherheit oder Risiko bezogen auf wesentliche Elemente eines Vertrags.[1]

Vertragliche Unsicherheiten können sich in Bezug auf Höhe der Zahllast, Vertragslaufzeit oder den Vertragspartner ergeben. Aus islamischer Sicht müssen Somit die folgenden Aspekte eines Vertrages ganz klar definiert werden:

  • Die Vertragsparteien: Wer verkauft an wen?
  • Das Wirtschaftsgut: Was wird verkauft? Das Wirtschaftsgut muss klar genannt werden und im Besitz des Verkäufers sein. Es darf keine Unklarheit über die Charakteristika des Wirtschaftsgutes bestehen.
  • Der Preis: Zu welchem wird verkauft?
  • Der Lieferzeitpunkt: Wann findet die Lieferung statt

Im Islam ist es durchaus bekannt, dass bestimme Risiken für ein erfolgreiches Wirtschaften nicht auszuschließen sind. Um sich vor Gharar zu schützen müssen Kaufverträge eindeutig definiert werden, damit vermeidbare Risiken wie Täuschung und Betrug ausgeschlossen werden können.[2] Primäres Ziel ist es die Vertragsparteien davor zu schützen durch Spekulationsgeschäfte das Vermögen zu verlieren und nicht nur seine eigene, sondern auch die Existenz seiner Familie zu gefährden.

Bezüglich Lieferzeitpunkt und dem Wirtschaftgut gibt es in sehr engen Grenzen Ausnahmen für das Verbot. Die Vertragsformen hierzu heißen Salam und Istisna.

Klassische Beispiele für Gharar

In den Überlieferungen des Propheten Muhammad (sav) gibt es einige klassische Beispiele dafür, was  im Islam als Gharar angesehen werden kann und somit nicht verkauft werden kann.

  • Das ungeborene Kalb
  • Fische, die noch im Meer schwimmen
  • Ein entlaufenes Tier
  • Obst auf einem Baum, welches noch nicht gepflückt wurde
  • Milch, die sich noch im Euter befindet
  • Den Fang eines Fischers bevor dieser in See sticht.

Bei allen diesen Dingen geht es im Prinzip darum, dass diese Dinge nicht klar spezifiziert sind. man weiß nicht, ob das Kalb lebend geboren wird, ob die Fische überhaupt gefangen werden können.

Aktuelle Beispiele für Gharar im Islamic Banking

Im modernen Finanzwesen und im Islamic Banking spielt das Verbot von übermäßiger Spekulation und vertraglicher Unsicherheit vor allem in zwei Bereichen eine tragende Rolle:

  • Versicherungen: Bei einer normalen Versicherung zahlt man eine regelmäßige Prämie an ein Versicherungsinstitut um beim Eintritt eines (negativen) Ereignisses, von der Versicherung kompensiert zu werden. So kann der Schadensfall nach Zahlung einer Prämie stattfinden, so dass das Versicherungsunternehmen einen großen Betrag auszahlen muss, oder andersherum kann Jahrelang bezahlt werden, ohne eine konkrete Gegenleistung zu erhalten. Darüber hinaus sind Versicherungsunternehmen stark in Zinsprodukten investiert, so dass bei Versicherungen auch die Problematik des Verbotes von Zinsen im Islam eine Rolle spielt. Um sich vor bestimmten Schäden zu schützen wurde die islamkonforme Form der Versicherung (Takaful) entwickelt, welche wir in einem späterem Artikel im Detail behandeln werden.
  • Finanz-Derivate: Zu den Derivaten gehören Optionen, Futures, Swap. Derivate sorgen dafür, dass Risiken zwischen Käufern und Verkäufern gehandelt werden können. Derivate sind komplexe Finanzprodukte, die hoch spekulativ sind. Mit Derivaten können Renditen „gehebelt“ werden, auf fallende Kurse gesetzt werden usw. Die Grundidee von Derivaten ist eigentlich, dass man sich gegen bestimmte Risiken absichern kann. So kann sich ein Unternehmen, dass Produkte in die USA liefert durch den Einsatz von bestimmten Devisen Swaps gegen einen fallenden Dollarkurs absichern. Allerdings werden die meisten Derivate aufgrund von Spekulation gehandelt. Die Wirtschaftskrise der letzten Jahre wurde durch Derivate ausgelöst (im konkreten Fall Credit Default Swaps). Bei Derivaten gibt es einen Basiswert der gehandelt wird, dieser ist in den allermeisten Fällen nicht im Besitz der Handelspartner ist.

Auch in Bezug auf den Handel mit Aktien spielt Gharar unter Umständen eine Rolle, jedoch ist das differenziert zu betrachten. Man kann einerseits aus rein spekulativen Motiven heraus Aktien kaufen und verkaufen, allerdings stellen Aktien Firmenanteile dar und können auch legitime Investitionsobjekte im Islamic Banking sein. Mehr zum Handel mit Aktien erfahren Sie hier >>

Weiterlesen:

Das Verbot von Zinsen im Islamic Banking

Ist Geldtransfer mit Western Union, Moneygram, Rias usw im Islam erlaubt?

Koranverse über das Geschäftsleben



[1]           Vgl. Mahlknecht, M. (2009), S. 24.

[2]           Vgl. Lohlker, R. (1996), S. 86.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*

blogtotal.de - Wirtschaft und Finanzen Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.deBlogverzeichnis